Echo

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Schwarzwälder-Bote, 30.01.2017, von Bettina Bausch

Improvisierende Musiker brechen immer wieder aus

Uchronia

Die Band Uchronia bei "Jazz am Schießberg".
Foto: Bausch Foto: Schwarzwälder-Bote

Calw. Die Vorbereitungen auf eine Vereinsgründung laufen bei der Veranstaltungsinitiative "Stadt Land Kultur" auf Hochtouren. "Wir wollen damit das gesellschaftliche Miteinander und die Kultur in Calw noch mehr fördern", so die designierte zweite Vorsitzende des künftigen Vereins, Sybille Körholz. Sie freut sich, dass sich die beliebte Veranstaltungsreihe "Jazz am Schießberg" in den zehn Jahren ihres Bestehens bereits einen weithin bekannten Namen gemacht hat.

Bei der Veranstaltung am Freitagabend wurde wieder einmal etwas ganz Besonderes geboten. Die junge belgische Pianistin sowie Bandleaderin Marlies Debacker und ihre Band Uchronia nahmen die Musikfreunde mit in faszinierende, ungewohnte Klangwelten, die sie so noch nie erlebt haben.

Der stimmungsvolle Konzertabend ist zweigeteilt. Die erste Hälfte bestreitet die 24-jährige Ausnahmemusikerin allein. Dabei nutzt sie in ihrem Soloprogramm alle nur denkbaren Klangmöglichkeiten des Pianos geschickt aus.

Ein Weg dazu ist zunächst der ungewohnt differenzierte Einsatz des Tasten- und Pedalspiels. So entstehen unter den Händen der Meisterin bei äußerst konzentrierter Spielweise zumeist melodisch und oft auch meditativ bestimmte, verhaltene Klänge. Aber dann sind auch wieder mächtige, geradezu orchestral wirkende Passagen zu hören. Einige Besucher schließen die Augen und lassen die faszinierenden Klänge auf sich wirken. Doch dann wechseln die Töne schlagartig. Sie können nicht vom Hammerklavier durch Anschlag erzeugt sein, son- dern klingen wie Zupftöne einer Gitarre oder Harfe. Wer die Augen wieder öffnet, sieht wie die Pianistin in die Saiten des Klaviers greift, mal zupfend, mal zart darüber streichend. Die Musikerin zeigt, dass ihr Instrument auch so genutzt werden kann und dabei ganz ungewohnte reizvolle Klänge entstehen.

In keine Schublade

Ganz anders dann der zweite Teil des Abends. Debacker vereinigt sich mit ihren Musikerkollegen Salim Javaid (Saxofon), Stefan Schönegg (Kontrabass) und Dominik Mahnig (Schlagzeug) zur Formation Uchronia. Jetzt musizieren alle Instrumente zusammen. Die Musik lässt sich auch von Kennern kaum in einer Schublade unterbringen und am ehesten als moderner Freejazz einordnen und bewegt sich mit ihren markanten Klangfassaden zwischen Jazz und moderner Kammermusik.

Es gibt nur wenige feste Rahmenbedingungen, aus denen die improvisierenden Instrumentalisten immer wieder ausbrechen und mit niveauvollen Solobeiträgen glänzen. Man spürt: Hier wird in großer Freiheit musiziert. Immer wieder vereinigen sich die Instrumente jedoch auch wieder zu überzeugendem Zusammenspiel. Das freie Spiel wirkt authentisch und hinterlässt bei den Zuhörern einen starken Eindruck.

"Absolut spannend. So etwas hört man wahrlich nicht alle Tage", meint ein begeisterter Besucher, ehe er sich von der Musik beschwingt auf den Heimweg macht.

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